Funktionsoptimierung oder Musterwechsel?

Serie Change Management I

Zunächst einmal macht es Sinn, bei der  Gestaltung von Veränderungsprozessen zwischen Funktionsoptimierung und Prozessmusterwechsel zu unterscheiden. Oft reicht die Optimierung bestehender Funktionalität aus, ein kreativer Sprung zu einem Wechsel in ein völlig neues (Denk-, Prozess-, Verhaltens-) Muster ist nicht nötig. Da Funktionsoptimierung mit weniger Aufwand und Risiken verbunden ist, sollte zuerst einmal untersucht werden, ob diese ausreicht. Die Funktionsoptimierung (auch KVP/Kaizen gehört in diese Kategorie) hat eine typische Lernkurve mit Sättigungseffekt nach anfänglichen Erfolgen.

Bei völlig neuen Anforderungen bzw. für größere Leistungssprüngen braucht es aber radikale Neuorientierung, grundlegende Innovation, einen Prozessmusterwechsel. Da reicht es nicht, nur etwas „an der Schraube zu drehen“, Bestehendes zu optimieren. Das immer wieder genannte Beispiel für einen Musterwechsel kommt aus dem Sport: die Optimierung des beim Hochsprung üblichen Straddle-Sprunges reichte nicht mehr für größere Leistungssteigerungen, erst durch den – völlig neuen – Fosbury-Flop wurde die bisherige Leistungsgrenze deutlich überschritten.

Prozessmusterwechsel sind jedoch risikoreich. Sie bewirken oftmals Abwehrreaktionen, da sie bestehende Verhaltensweisen infrage stellen. Es ist ungleich schwerer, etwas bereits Gelerntes zu verändern, als den eigenen Lernprozess gleich mit einem neuen Muster zu beginnen. Wenn sich allerdings die Rahmenbedingungen ändern, können leichter neue Muster entstehen, da dann die (kognitive und emotionale) Bereitschaft zur Änderung höher ist. – Daher ändert man im Rahmen von Change Prozessen ganz bewusst die Rahmenbedingungen innerhalb eines Projektes.

Eine zentrale Leitfrage am Beginn eines beabsichtigen Change Prozesses ist daher:

  • Reicht für die beabsichtigte Veränderung Funktionsoptimierung aus, oder ist ein Prozessmusterwechsel nötig?

(in Anlehnung an Prof. Dr. Peter Kruse)


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