Geld macht doch glücklich

Das behaupten die drei Autoren des gleichnamigen Buches, zu dessen Rezension ich vom Verlag eingeladen wurde. Der Untertitel ist Programm: „Wo die ökonomische Glücksforschung irrt“. Die Autoren, alle Wirtschaftswissenschaftler, setzen sich sehr fundiert mit der Frage nach dem Zusammenhang von Geld/Einkommen und Glück bzw. Lebenszufriedenheit auseinander. Und v.a. mit der bisherigen Glücksforschung, deren Grenzen und vielleicht auch Irrtümern. Wer einen fundierten Überblick über den aktuellen Stand (2012) der  ökonomischen Glücksforschung bekommen will, ist mit diesem Buch sicher gut bedient.

Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit dem sog. Easterlin-Paradoxon. Der Ökonom Easterlin hat empirisch herausgefunden, dass Einkommenszuwachs aller die durchschnittliche Lebenszufriedenheit nicht steigert – entgegen dem herkömmlichen Axiom praktisch aller  Ökonomen, dass mehr Einkommen und Wirtschaftswachstum die Menschen ein besseres Leben führen lässt und sie so auch glücklicher macht. Ein Ausweg aus dem Dilemma finden die Autoren, weil sie methodische Mängel der Glücksforschung erkennen und aufzeigen („Glück“ ist sehr subjektiv, was „Glück“ ist verändert sich im Lauf der Zeit, die Messskalen sind problematisch,…), und verschiedene Arten des Glücks unterscheiden, welche jedoch in der Glücksforschung nicht immer exakt auseinandergehalten werden – was dann zu Fehlschlüssen führen kann. Die Glücksforschung unterscheidet nämlich zwischen der (tendenziell kognitiv bewerteten) Lebenszufriedenheit (gemessen auf einer Skala von 0-10), und dem affektiven (oder emotionalen) Glück. Man kann nämlich „mittelmäßig“ mit seinem Leben zufrieden sein, aktuell aber emotional sehr positiv gestimmt sein.

Ein ausführlicher Anhang, ausdrücklich für den wissenschaftlich interessierten Leser, rundet das gut geschriebene Buch ab.

Was mir fehlt: kurze Autorenbeschreibungen. Schließlich ist es doch von Interesse, wer das nun ist, der/die das Buch geschrieben hat/haben. Außerdem frage ich mich, ob nicht die neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung stärker einbezogen werden sollten? Zumal die Autoren mit Erkenntnissen der Evolutionsforschung argumentieren, wenn sie auf die Wichtigkeit von positionalem Wettbewerb hinweisen. Die aktuelle  Hirnforschung kommt da zu anderen Ergebnissen, und betont viel stärker, dass unser Gehirn auf Kooperation angelegt ist. Im Buch findet sich leider kaum etwas dazu. Trotzdem kann das Buch allen, dies sich mit der ökonomischen Glücksforschung auseinandersetzen wollen, empfohlen werden.

Das Buch auf Amazon (kaufen aber bitte beim lokalen Buchhandel, um diesen zu unterstützen!)

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